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1. Herren: Klassenerhalts-Saisonbericht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Misch   
Donnerstag, den 22. Dezember 2011 um 13:32 Uhr

Nach dem sensationellen Durchmarsch aus der Regionalliga bis in die 1. Bundesliga konnte es in dieser Hallensaison nur ein Ziel geben: Klassenerhalt! Wie schwer dieses Ziel zu realisieren sein würde ergab sich aus der Tatsache, dass dies in den vergangenen Jahren keinem Aufsteiger gelungen war und aus einem einfachen Blick auf das Teilnehmerfeld: Standen doch da so renommierte Mannschaften wie der BHC und die Wespen, so exzellente Hallenspezialisten wie Tusli und Osternienburg und der Feldbundesligist Blau-Weiss als Konkurrenten auf dem Plan. Entsprechend fiel die erste Ansage von Trainer Mario D. aus: „ Wir spielen in der stärksten Hallenhockeyliga der Welt (Anm. d. Red.: damit war selbstverständlich nicht nur die Gruppe Ost gemeint), und alles andere als ein Abstieg käme einer Sensation gleich“. Nun gut…Mit welchem Handlungsauftrag dies in der Praxis verbunden war sollte mir persönlich schnell vor Augen geführt werden. 3x wurde unter der Woche trainiert, und das gemessen an dem Tagesablauf eines Otto-Normal-Arbeitnehmers zudem fast mitten in der Nacht (21:30-23:00 Uhr).

Während es uns ob der nur einwöchigen Pause nicht schwer fiel den Schwung aus der abgelaufenen Feld-Hinrunde mitzunehmen wurden unsere Trainer vor ein echtes Luxus-Problem gestellt, war unser Kader doch für ein Hallentraining viel zu groß. So musste bereits vor den ersten Trainingseindrücken eine gewisse Selektion getroffen werden. Unser erstes Vorbereitungsturnier führte uns nach Güstrow, wo wir in einem ordentlich, jedoch nicht erstklassig besetzten Feld souverän den Turniersieg einfahren und gelegentlich auch Erstligareife andeuten konnten. Der erste echte Härtetest erwartete uns dann beim stark besetzten eigenen Turnier, was wir etwas überraschend, u.a. durch 2 Siege über Ligakonkurrent Wespen, ebenfalls gewinnen konnten. Spätestens hier kristallisierten sich die am besten harmonierenden Formationen und unser präferiertes Spielsystem heraus. Am letzten Wochenende vor dem Punktspielbeginn fuhren wir etwas ersatzgeschwächt nach Osternienburg, wo wir in 4 Spielen weiter ungeschlagen blieben.

Mit viel Selbstbewusstsein fieberten wir daher dem Saisonstart entgegen, bei welchem uns am ersten Wochenende mit dem BHC gleich der haushohe Favorit der Ostgruppe und Mitfavorit auf den Titel gegenüberstand. Unsere Hoffnungen, der Favorit würde einige seiner Topspieler schonen und nach noch kürzerer Saisonvorbereitung vielleicht einige Schwächen offenbaren wurden zwar enttäuscht, dennoch sahen die Zuschauer eine unterhaltsame Partie, in welcher wir beim 9:17 zumindest in der Offensive überzeugen konnten, hinten aber viel zu viel zuließen. In dem Wissen, die nötigen Punkte sicher nicht gegen den BHC holen zu müssen wurde das Spiel abgehakt, ohne vielleicht einige wichtige Schlüsse für den Folgetag zu ziehen. Stand hier doch mit dem Auswärtsauftritt bei den Zehlendorfer Wespen jetzt ein Spiel an, wo wir uns etwas Zählbares ausrechneten. Nachdem wir in der ersten Viertelstunde mindestens gleichwertig spielten, zeigte sich mit zunehmender Spieldauer ein Problem, was bereits gegen den BHC vorlag: Allzu naiv wurde verteidigt und der Gegner durch zu hohes Risiko im Offensivspiel immer wieder zu Konterchancen eingeladen. Da wir in diesem Spiel gegen konsequent verteidigende Wespen auch in der Offensive blass blieben stand am Ende eine niederschmetternde 1:8-Pleite. 2 Spiele, 0 Punkte, 10:25 Tore, das hatten wir uns trotz des schweren Programms anders vorgestellt. Entsprechend schlecht gelaunt und auf dem Boden der Tatsachen angekommen gingen wir in die nächste Trainingswoche, wo wir per ausgiebiger Video-Sitzung versuchten unsere Fehler zu analysieren und abzustellen. Im Nachhinein wird man wohl sagen müssen, dass diese Woche als Wendepunkt einer ganzen Saison angesehen werden muss. Es folgte das nächste Doppelwochenende mit dem Spiel bei Tusli und dem Heimspiel gegen Osternienburg. Unser Fokus lag hierbei voll auf dem sonntäglichen Heimspiel gegen den OHC, welches nach eingängiger Expertenmeinung einfach gewonnen werden musste, wenn man überhaupt eine Chance auf den Klassenerhalt haben wolle. Das Spiel bei Tusli am Tage zuvor wurde zwar nicht abgeschenkt, aber durch eine etwas aus der Not geborene Defensivtaktik sollte den vielen Gegentoren bis dato Rechnung getragen, der Favorit möglichst lange geärgert und Kräfte für Osternienburg gespart werden. Dies funktionierte trotz anfänglichem 0:2-Rückstand besser als erwartet, und spätesten als wir Mitte der 2. Halbzeit in Führung gingen war klar, dass da was drin sein würde. Alle, die nach dem späten Tusli-Ausgleich glaubten, dass wir jetzt einbrechen würden, wurden eines besseren belehrt. Wir waren es, die durch 2 späte Tore das Spiel entschieden und die ersten 3 Punkte einfuhren. Erstaunlicher Weise zeichnete uns in diesem Spiel das aus, was in der Vorwoche noch unser großer Schwachpunkt war: konsequentes und kollektives Defensivverhalten. Mit dem Wissen, dass dieser Sieg am Sonntag veredelt werden musste, gingen wir in das vor der Saison als sicheres 6-Punkte-Spiel angepriesene Duell gegen O‘burg vor heimischer Kulisse. Nach völlig verschlafenen Start und einem 0:4-Rückstand besannen wir uns wieder auf unser Spiel und kämpften uns zur Pause wieder heran (5:6). In der 2. Hälfte zeigte sich dann ein völlig anderes Spiel, in dem ob der Wichtigkeit keines der beiden Teams großes Risiko eingehen wollte. Folgerichtig passierte außer dem viel umjubelten Ausgleichstreffer 10 Minuten vor Schluss zum 6:6-Endstand nichts mehr. Mit 4 Punkten auf der Habenseite konnten wir zufrieden aus dem Wochenende gehen, zumal wir damit bereits ein kleines Polster auf Schlusslicht BW aufweisen konnten. Dies war dann auswärts auch der nächste Gegner und das nächste 6-Punkte-Spiel stand an. Wohl wissend, dass wir mit einem Punkt deutlich besser leben konnten als die Gastgeber gingen wir erneut sehr defensiv in die Partie. Bis zur 3:1-Führung in der 20. Minute schien alles nach Plan zu laufen, doch BW stellte sich zusehends besser auf uns ein und konnte die Partie drehen (4:3 Mitte der 2. Hälfte). In einer Phase, in welcher BW das Spiel unter Kontrolle zu haben schien, zeigten wir unsere 2. große Qualität, nämlich die Fähigkeit zu jeder Zeit quasi aus dem Nichts Tore zu erzielen, so geschehen 5 Minuten vor Schluss zum 4:4. Trotz aller energischen BW-Angriffe und einer gelben Karte kurz vor Schluss (der Autor kann sich leider nicht mehr erinnern gegen wen) hielten wir dem Druck stand, fuhren den so wichtigen Punkt ein und wahrten unser 4-Punkte-Polster vor dem Rückrundenstart. Diese begann wieder mit dem Duell gegen den BHC, gegen welchen wir am späten Sonntag-Abend mit einem 3:8 ein ordentliches Spiel hinlegten, den großen Favoriten aber nicht ernsthaft gefährden konnten. Da auch BW bei Tusli unterlegen war, gingen wir weiter mit einem 4-Punkte-Polster in drei Heimspiele in Folge in unserer UvH-Halle. Zunächst wurden wir mit den beiden um den 2. Viertelfinalplatz kämpfenden Mannschaften von den Wespen und Tusli konfrontiert. Die Geschichte beider Spiele zeigt hierbei deutliche Parallelen: So sahen beide Gastmannschaften bereits wie der sichere Sieger aus (Wespen beim 2:4 kurz vor Schluss, Tusli beim 0:3 nach 20 Minuten), doch in beiden Spielen zeigten wir unterstützt von unserem tollen Publikum eine wahnsinnige Moral und glichen jeweils zum Punktgewinn aus. Bemerkenswert sicher die Nervenstärke bei 2 verwandelten Strafecken kurz vor Schluss gegen die Wespen und die Tatsache, gegen Tusli die letzten 40 Minuten ohne Gegentor geblieben zu sein! Doch auch wenn diese zwei Unentschieden sicher als Erfolg zu werten sind, rückten uns die beiden hinter uns platzierten Mannschaften gehörig auf die Pelle, BW als Letzter war nunmehr auf 3 Punkte herangerückt und besaß das bessere Torverhältnis. Damit war klar, dass am vorletzten Spieltag im Heimspiel gegen BW ein Sieg hermusste, um den Klassenerhalt zu schaffen und ein Abstiegsendspiel in O’burg (wo wir mit Verlaub noch nie gut ausgesehen haben) zu vermeiden. Da es auch für BW um alles ging, kamen zum alles entscheidenden Spiel ca. 300 Gäste in die UvH-Halle und sorgten für eine Atmosphäre, wie sie sicher auch in der 1. Bundesliga nicht oft zu finden ist. Die Nervosität und Anspannung war förmlich greifbar, obwohl wir uns aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs gute Chancen auf den rettenden Sieg ausrechneten. Standesgemäß verschliefen wir den Start und lagen schnell 0:1 zurück, fanden aber schnell zu unserem Spiel und waren spätestens ab Mitte der ersten Hälfte die Mannschaft mit den besseren Torchancen, scheiterten jedoch mit 3 Strafecken und einem Lattentreffer aus dem Spiel. Erst nach über 20 Minuten gelang uns der bis dato sicher verdiente Ausgleich. Mit einem 1:1 ging es in die Pause, unsere Defensive stand nach anfänglichen Schwierigkeiten wieder gewohnt sicher und Driess Chabab zeigte einmal mehr eine überragende Leistung. Nach ca. 5 Minuten in Hälfte 2 dann die vielleicht spielentscheidende Szene. Eine Strafecke für BW wurde von Torhüter Chabab so abgewehrt, dass wir den direkten Eckenkonter zu 2:1-Führung nutzen konnten. Als wenig später das 3:1 nachgelegt wurde schienen wir endgültig auf der Siegerstraße gelandet zu sein. Nach weiteren Treffern auf beiden Seiten ging es mit einem 4:2 in die Schlussphase, in welcher BW den Torwart zugunsten eines 6. Feldspielers opferte. Bis eine Minute vor Schluss hielt der 2-Tore-Vorsprung, als BW eine Strafecke zugesprochen wurde. Durch (nicht so richtig cleveres) zu frühes Rauslaufen wurden wir mittels gelber Karte dezimiert (auch an dieser Stelle versagt mir das Erinnerungsvermögen) und BW verwandelte per Ableger. Nun begann das große Zittern, hatte BW bei 6 gegen 4 doch noch 1 Minute Zeit. Doch durch wahnsinnigen Kampf und Einsatz ließen wir nichts mehr zu und brachten den Sieg über die Zeit. Was sich dann in der Halle abspielte muss man erlebt haben, daher versuche ich es gar nicht zu beschreiben. Der Klassenerhalt war geschafft (sogar Platz 4 war gesichert), daran änderte auch die deutliche Niederlage in Osternienburg am Folgetag nichts mehr.

Mit dem Fazit dieser Saison tue ich mich an dieser Stelle schwer. Es mag Leute geben, die darauf hinweisen wie eng die Liga dieses Jahr war, dass nur 6 Punkte zwischen Abstieg und Viertelfinale liegen und dass so manches Spiel auch anders hätte enden können. In die eine, aber sicher auch in die andere Richtung. Es mag andere geben, die mit einem Lächeln auf die ja bekanntlich niemals lügende Tabelle verweisen und sagen: Platz 4, drin! Es mag sein, dass manche bemerken, dass es nur 3 Punkte bis zum Viertelfinalplatz sind! Alles trifft den entscheidenden Punkt aus meiner Sicht nicht. Entscheidend ist, dass wir, den ohnehin außer Konkurrenz spielenden BHC mal außer Acht gelassen, nur 2 von 8 Spielen verloren haben und sonst gegen jede Mannschaft gepunktet haben, dass wir fast alle Spiele offen gestalten konnten und an die vermeintlich großen Mannschaften herangerückt sind. Dies ist neben dem Faktum Klassenerhalt die wichtigste Aussage, die uns auch für die kommenden Aufgaben in der Feldsaison viel Selbstbewusstsein gibt.

Und zum Abschluss natürlich ein riesengroßes Danke an alle treuen Fans, ohne deren Unterstützung wir definitiv weniger Punkte geholt hätten. Danke an alle, die den Ablauf unserer Heimspiele organisiert haben und unterstützt haben (Norman, Daisy, Petra, Axel Jeschke, N.  Hurtado und die an dieser Stelle Vergessenen). Der größte Dank und ein riesen Kompliment geht von mir persönlich jedoch an die beiden Mario’s sowie die gesamte Mannschaft, die es ermöglicht haben, dass ich als „alter Mann“ das nochmal mitmachen durfte und wahrscheinlich so viele Trainingseinheiten absolviert habe wie in den letzten 10 Jahren zusammen! Danke, weiter so!

 

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